(8) Zeit am Zoll ist relativ oder AMAL – die Hoffnung kommt auf Arabisch

17.4. 2018, Tanger Med/Casablanca

Zeit am Zoll ist relativ

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Next day – same situation. Sobald wir das Zollgelände betreten haben, spielte sich exakt dieselbe Situation ab. Gefühlte tausend Männer, alle geschäftig telefonierend, rennen über das Gelände. Sie verschwinden und tauchen wieder auf und verschwinden wieder. Mal mit, mal ohne Papiere, Pässen oder allerlei Tauschware. Unsere Crew steht von 9.00 – 12.00 im Bereitschaftsmodus. Dann aber muss eine andere Lösung gefunden werden. Unsere Helfer versprechen uns, dass heute alles klappen wird. Die Frage ist nur, wann. Das kann uns hier keiner sagen.

Werden wir je wieder aus diesem Niemandsland herauskommen und unsere Mission erfüllen? Auch unser Glücksbringer kann hier nicht weiterhelfen.

Das Telefon klingelt, es ist Amal, unser Kontakt zur Stiftung Amis des Écoles und unsere Gastgeberin in Casablanca.

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Bei ihr hätten wir uns – laut ehemaligen Zeitplan – bereits am Samstag einfinden sollen. Aber wir sind in einer Patt-Situation gefangen! Der Bus braucht einen Transitschein, um den Zoll zu passieren und um nach Gambia weiterfahren zu können. Anscheinend gibt es Schwierigkeiten mit der Zulassung, da im Moment niemand in Gambia offizieller Besitzer des Busses ist.

Dies ist unsere Vermutung – ob es sich dabei um den tatsächlichen Grund handelt…? Wer kann das schon so genau sagen.

Die Gruppe teilt sich vorläufig

14.00
Die Gruppe beschließt, sich aufzuteilen. Da unser Teammitglied Rene bereits in Casablanca angekommen ist, fahren Inge, Philip und Nika voraus. Willi, Andi und Lukas bleiben beim Bus. Eine Freundin von Amal möchte uns einen Fahrer schicken, der uns von Tanger Med nach Casablanca fährt. Wir verlassen das Zollgebäude und warten. Während auch hier die Zeit vergeht und wichtige Geschäfte neben uns abgeschlossen werden, versuchen Willi, Andi und Lukas die Nerven zu bewahren.

Wenige Stunden später erscheint der Fahrer und zumindest ein Teil der Gruppe verlässt Tanger Med. Nicht ganz ohne flaues Gefühl im Magen. Können wir die anderen zurücklassen? Doch da klingelt bereits das Telefon, mit guten Nachrichten! Das Wüstenschiff hat den Scanner passiert! Jetzt fehlt nur mehr die Zollkontrolle der Beamten im Bus: denn die Waren müssen begutachtet und genau verzeichnet werden. Erneut ist also Warten angesagt: Doch diesmal mit Stil! Captain Andi, Mister Willi und Lukas schenken sich ein Gläschen Whisky ein und gönnen sich eine Zigarre. Richtig so!

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17.10
Auf dem Weg nach Casablanca im Auto regenerieren sich die Kräfte von Inge, Philip und Nika. Ungeduldig greifen sie immer wieder zum Handy… Was ist mit den anderen? Und endlich, Entwarnung. Nika’s Telefon klingelt. Es ist Abdallah. Er verkündet die frohe Botschaft: In 15 Minuten kann der Bus aus Tanger Med ausreisen: Scanner überstanden, Transitschein erhalten und mit einer hinterlegten Kaution die Zollstation verlassen.

Im Auto jubeln die anderen. Das Team hat den ersten Quest erfüllt.

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Dank an alle, die uns dabei geholfen haben! Auch wenn wir nicht hinter die geheimen Machenschaften der marokkanischen Geschäftsleute gekommen sind: Wir sind uns sicher, dass Abdallah und seine Kollegen ihr Bestes für uns getan haben.

Ankunft in Casablanca bei Amal (= arabisch für Hoffnung)

22.00 Wir erreichen müde und erschöpft das wunderschöne Anwesen von Amal in Casablanca. Die Präsidentin von Amis des Écoles – das Schulprojekt u.a. im Atalsgebirge – empfängt uns mit einem köstlichen Abendessen und ihrem freundlichen Wesen. Endlich treffen wir auch auf Rene, dem wir die Situation der letzten Tage erklären.

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Wir lernen die marokkanische Küche und Gastfreundlichkeit kennen und sind unendlich froh, Tanger Med verlassen zu haben. Zwei Stunden später klingelt es an der Tür. Unsere Helden des Tages Andreas, Willi und Lukas sind angekommen.

Müde sinken wir in die liebevoll vorbereiteten Betten und schlafen bis zum nächsten Morgen den Schlaf der Gerechten.

(7) Der unerklärliche Kreislauf im Niemandsland der Zollbehörde

16.4. 2018, Tanger Med

Abdullah Taxi

Komm, wir fahren. – Wir können nicht.

Warum nicht? – Wir warten auf den Zoll…

Es wäre eine Lüge, wenn hier behauptet würde, dass wir an diesem Montag nicht voller Hoffnung Richtung Tanger Med aufgebrochen wären. Und, dass alles nicht völlig anders kam, als wir uns das gedacht hätten, ebenso.

Aber wir wollen euch diese Geschichte, die eindeutige Parallelen zu kafkaesken Verwirrungen aufweist, nicht vorenthalten:

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Voller Hoffnung stehen wir heute auf, um um 9.30 am Hafen unseren Bus zu holen. Noch klingen die Worte Abdullah’s in unseren Ohren: Morgen, ja morgen klappt es ganz bestimmt. Nur noch durch den Scanner, die Kaution hinterlegen und ab geht es in das schöne Land Marokko.

Der Taxifahrer Abdullah erscheint 30 Minuten früher als vereinbart. Wir deuten das als gutes Zeichen, zumindest als eines der Höflichkeit. Seinen Dacia Lodgy kennen wir bereits als Fahrzeug für 6 Personen. Wir müssen jetzt aber doch schlucken, denn wir haben unser gesamtes Gepäck aus dem Bus mitgenommen. Und das – so erklärt uns Abdullah mit einem zahnlosen Lächeln – muss jetzt alles aufs Dach. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die dünnen Seile zu vertrauen, die 6 Reisetaschen sichern sollen.

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Abdullah erweist sich auch früh am Morgen als ein gesprächiger Zeitgenosse. Zum Leidwesen von Nika, die er liebend gerne als Ansprechpartnerin auswählt. Wir vermuten, dass er nicht mehr sehr gut hört, denn – ähnlich wie am Tag zuvor – brüllt er über seine rechte Schulter, direkt an Andi’s Ohr vorbei in ihre Richtung: „Chica, Chica – bella vista“.

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Er erzählt uns auch sonst sehr ausgiebig über die Korruption der Drogenmafia in Marokko, die Investitionen der Saudis oder der Israelis. Dann zieht er plötzlich einen alten Zeitungsartikel aus der Abdeckung des Armaturenbrett, den er uns stolz zeigt: Er stellt den Sultan Mohammed V. dar. Ob es sich dabei um die Rede 1944 in Tanger handelt, bei der er ein Manifest zur Unabhängigkeit Marokkos vorlas, lässt sich nicht genau klären.

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Wir rattern die Straße hinunter, werden von einem anderen Auto überholt und steuern genau eine Kurve an. Während wir alle die Augen zusammenkneifen und uns bereits an den Berg prallen sehen, lacht Abdullah lauthals: „No problema, No problema! Tranquilo!“. Obwohl wir aufatmen, wünschen wir uns trotzdem, dass Abdullah mit den Augen mehr auf der Straße als im Cockpit des Autos wäre. Letztendlich aber macht unsere Vorfreude auf die Weiterreise alles wett.
Und als wir gerade noch an unser Wüstenschiff denken, taucht auch schon der Hafen am Ende der Straße auf. Und wir wissen: Tanger Med, die Zollstation, ist jetzt nicht mehr weit.

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Am Eingang erwartet uns auch schon unser Helfer Abdallah. Freundlich macht er Philip darauf aufmerksam, dass wir in diesem Gebiet nicht filmen oder fotografieren dürfen. Tatsächlich schauen einige der Polizisten schon ein wenig skeptisch in unsere Richtung.

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Nach einem Abschlussfoto mit dem Taxifahrer Abdullah, machen wir uns auf zum Drehkreuz, dass uns von unserem Wüstenschiff trennt. Wir müssen alle unsere Taschen öffnen und auf unsere Pässe warten, obwohl uns Abdallah erklärt, dass es sich hierbei um reine Routine handelt. Nach wenigen Minuten sind wir alle durch, sperren unser Bus auf und sind bereit, weiterzufahren.
Doch, nichts passiert. Abdallah ist mit Andi verschwunden. In einem der zahlreichen Betongebäude, die sich von außen nicht unterscheiden lassen. Es vergeht eine Stunde, dann die nächste. Doch von den beiden keine Spur.

Mittlerweile ist es 12.45 – doch wir glauben fest an die Weiterfahrt. Da erscheint Andi, ohne Abdallah und wir machen uns startklar. „Noch haben sie keine Kaution verlangt,“ sagt Andi und erzählt uns von dem Prozedere, das er erleben durfte:

„Wir sind mit dem Taxi von hier nach da und dann wieder von dort nach drüben gefahren. Danach sind wir vor eine Tür gesessen und haben eine 3⁄4 Stunde auf den Chef gewartet. Dann haben Abdallah und der Chef lautstark diskutiert – ich habe keine Ahnung, ob das gut oder schlecht war. Aber beim Hinausgehen meinte Abdallah good, good“.

Als besagter Abdallah nach weiteren 20 Minuten erscheint, schlägt die Stimmung um: Langwieriges Warten wird zu stressiger Hektik. Unser Helfer treibt uns an und wir starten den Bus und fahren zur Ladestation. Wir erkennen die offenen Busse wieder, die ihre Ladung auf der Straße ausgebreitet haben. Unbehagen steigt in uns hoch. Denn diese Autos, sind dieselben, die wir bereits am Samstag gesehen haben. Und, sie stehen noch immer hier.

Das unheilvolle Gefühl verstärkt sich mit jeder Minute, die nun vergeht. Und es vergehen viele, bis nach 1 1⁄2 Stunden ein quirliger Typ erscheint: An seinem Handgelenk baumelt ein schicker Rolexnachbau. Ein schöner Stilbruch, der zur gelben Bomberjacke passt.

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Nachdem er entrüstet festgestellt hat, dass hier niemand fließend Französisch spricht, knallt er uns in gebrochenem Englisch vor den Latz: „In 1 minute, CONTROL.“

Marokkanische Minuten unterscheiden sich umgehend von österreichischen Minuten. Irgendwann verlieren wir die Übersicht, das Zeitgefühl und die Orientierung. Ein schwarzer Zollbeamter in hellblauer Uniform erscheint, wir müssen alle Kisten öffnen und ihre Inhalte werden fotografiert. Erneut warten wir: eine mittlerweile undefinierbar lange oder kurze Zeit. Abdallah und der Mann mit der falschen Rolex sind einstweilen verschwunden. Wir erlauben uns nur, versteckt aus dem Bus zu fotografieren.

Dann erscheinen die beiden wieder aus dem Nichts. Erneut macht sich Hektik breit. Der Bus muss wieder in Bewegung gesetzt werden, wir fahren zurück, vorbei an Kolonnen aus LKWs, Bussen und Kleinlastern. Begleitet wird die wilde Fahrt von einer Sinfonie aus Trillerpfeifen, Gehupe und dem Schreien von Abdallah und dem Rolexmann.

Wildes Gestikulieren, auch aus dem Fenster hinaus zum Nachbarauto. Was geht hier vor sich? Gibt es ein schwieriges Problem? Wir riskieren einen Blick über die Schulter von Abdallah: er hält zwei Zettel in der Hand und diskutiert lautstark darüber mit seinen Kollegen. Bei näherer Betrachtung stellen wir fest: es handelt sich nicht um Papiere für unseren Bus, sondern um die letzte Ziehung der Lottozahlen!

14.35 wieder auf dem LKW- Platz und nichts ist passiert. Oder vielleicht doch? Wir wissen es nicht. Auch nicht, ob Andi und Abdallah gerade noch da waren oder schon seit mehreren Stunden nicht mehr gesichtet wurden. Unser Kopf steht im Standby-Modus, von der heißen Luft, den Abgasen, dem Wind und dem lauten Gehupe. Der Tag zieht sich ins Endlose.

Mittlerweile sind auch Willi und Inge verschwunden. Alles scheint sich aufzulösen. Die geheimen Gesetze in diesem System erschließen sich uns nicht.

15.10 Die Crew kehrt zurück. Der Motor wird gestartet, der Bus nimmt wieder die Fahrt auf. Willi schleust ihn wacker gegen die Fahrtrichtung, so wie Abdallah es anweist. Eisern bewahrt er die Ruhe, obwohl die Situation stressig und gefährlich ist. Die Fahrzeuge fahren kreuz und quer und wir steuern dagegen, sind mitten drin.

Nach einer Weile erscheint wieder der Rolexmann. Seine Miene ist enttäuscht und sichtlich erschöpft.

„No way today. Sorry. But here is the number of the scanner. More I cannot do today.“ Es stellt sich heraus, dass uns ein bestimmter Stempel fehlt und daher die Deklaration wieder nicht gemacht werden kann.

Wie oft sich diese Situation an diesem Tage abgespielt hat, lässt sich nicht mehr zählen. Immer wieder mussten wir Kisten öffnen, erklären, warum wir Schultaschen und Rollatoren nach Gambia fahren wollten, Zettel ausfüllen und – natürlich – Geschenke verteilen. Kein Handgriff ohne das dazugehörige „Bakschisch“. Insgesamt lassen wir mehrere Schachteln Zigaretten, drei Schultaschen, Tuc-Kekse, ein Baseball-Cap (NeueBühneVillach) und mehrere Dirham im Niemandsland des Zollgeländes.

Nach einem ganzen Tag des Wartens und Fahrens zwischen Parkplatz A, B, C und D stand um 16.50 unser Wüstenschiff exakt an der selben Stelle, wie am Tag zuvor. Und wieder ohne Passierschein für den Zoll.

Abdullah, der Taxifahrer wartete bereits auf uns. Er nahm uns gewohnt gesprächig in Empfang. Wir mussten sein Angebot, uns bei Bekannten von ihm einzumieten, ausschlagen. Wir wollten nur mehr in Ruhe duschen, essen und schlafen.

Ja, an diesem Montag fühlten wir uns völlig entkräftet. Wieder ein Tag, an dem wir nicht weitergekommen sind. Trotzdem: Wir spürten ein unbändiges Gefühl von Sicherheit, es am Dienstag zu schaffen: Denn die Hoffnung stirbt immer zuletzt!

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(6) Ein Sonntag in Tanger

15.4. 2018, Marokko

Wir verbringen die Nacht in zwei Dreier-Zimmern. Willi, Lukas und Andi teilen sich ein Zimmer. Philip kommt ins Mädchenzimmer und erhält dafür den ehrenhaften Beinamen Philipa. Der erste Blick aus dem Fenster eröffnet uns bereits den Einblick in eine andere Welt.DSC02514

Inge erscheint als erste im Frühstücksraum, wo sie ein atemberaubendes Frühstücksbuffet erwartet. Der köstlichen Minztee fließt dickflüssig in dunklem Goldbraun aus der silbernen Kanne, in der die frischen Minzblätter in heißem Wasser ziehen.

Wir gewöhnen uns erstaunlich schnell an die übermäßige Süße des Heißgetränks, bei dem wir auf ein Zucker/Tee Verhältnis von 30:70 tippen. Zu köstlich schmeckt er zu den Fladen, Crêpes, Maisbrotdukaten mit Frischkäse und Tomaten.

Den Sonntag verbringen Willi und Lukas als Vater-Sohn Tag. Sie besuchen das Caspar-Museum und streifen durch die Altstadt.

Während Inge und Andi sich aufmachen, um in einer Geldwechselstube unsere Euro in Diram zu tauschen, sichten Philip und Nika das bereits gesammelte Bildmaterial.

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Gegen Mittag treffen die beiden auf Andi und Inge. Nach einem kleinen Imbiss im Panorama-Café starten auch sie in Richtung Altstadt von Tanger.

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An der Promenade am Meer versammeln sich immer mehr Leute. Touristen und Einheimische nutzen den schönen Sonnentag, um sich am Sandstrand zu entspannen. Es findet sich dort Unterhaltung für Groß und Klein. Wir bewundern die stolzen Araberpferde, die sich mehr oder weniger gern dem Willen ihrer Besitzer beugen.

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Als wir nach links in eine kleine Seitenstraße einbiegen, tut sich vor uns das Bild des alten, verzaubernden Marokkos auf. Wir sehen winzige Läden in bunten Farben und Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Männer mit langen Kutten, die ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen tragen. Frauen in farbenfrohen, bodenlangen Gewändern und andere, die in einer ethnischen Tracht ihre Wege gehen.

Frau mit Hut

So viele neue Eindrücke verzaubern uns und doch scheint es unmöglich, alles zu erfassen. Des öfteren stolpern wir über unsere eigenen Füße, weil dort ein faszinierendes Mosaik in einem Innenhof, da faszinierende Auslagen zu entdecken waren.

Oder aber, weil ein Auto in der engen Gasse mit wildem Gehupe an uns vorbei wollte.

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Immer der Nase nach, führt uns die Seitengasse über einigen Kurven und Abzweigungen zu mehreren Stufen, die wir neugierig nach unten steigen.

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Alimentation

Am Markt von Tanger lassen uns der Duft von exotischen Gewürzen und frischen Oliven das Wasser im Mund zusammenlaufen.

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Andi beschließt, doch noch etwas Geld einzuwechseln. Währenddessen besucht Philip einen Berber und kleidet sich neu ein.

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Da uns das Laufen in der Stadt müde gemacht hat, ruhen wir uns in einer Bar aus. Als wir unseren Minztee bestellen, versuchen wir den Kellner dazu zu bewegen, diesen ohne Zucker zu bringen. Doch auch der Tee “sans sucre” schmeckt

verdächtig süß…

Unser Gespräch wird langsam ernster. Wir sprechen darüber, dass wir zwei Tage verloren haben und wie es möglich wäre, diese wieder einzuholen. Durchfahren scheint in manchen Teilen Marokkos naheliegend, in Mauretanien allerdings schreckt uns das Fahren in der Nacht eher ab.

Andi Rene

Andi greift zum Telefon und ruft Abdallah an. Er reicht das Handy an Nika weiter, die sich mit unserem Zollhelfer auf Spanisch verständigt. Was für ein Zufall! Abdallah scheint in der Nähe zu sein und wir fixieren einen Treffpunkt am Strand.

Nach 10 marokkanischen Minuten (eine Zeitangabe zwischen 20 – 50 Minuten) schütteln wir uns die Hände. Die beiden Männer besprechen die weiteren Schritten, die unser Wüstenschiff am Montag durch den Zoll bringen sollen und Abdallah verabschiedet sich wieder.

Blaues Geschäft

Wir wollen mit dem Taxi zum Hotel fahren. Der Fahrer gibt uns aber zu verstehen, dass er maximal 3 Gäste mitnehmen kann. Da sich diese Anzahl auch nach längerem Verhandeln nicht erhöht, beschließen Philip und Nika, den Weg zu Fuß zurückzulegen.

Willi und Lukas überraschen uns mit Leckerein aus einer Patisserie, die uns zu einer Jause auf dem Zimmer verleiten. Nachdem wir Speck und Bergkäse mit marokkanischem Fladenbrot und Oliven verspeist haben, schlägt es beinahe Mitternacht. Und plötzlich macht Lukas eine Feststellung, die uns alle in die Realität zurückholt: Es ist jetzt über 24 Stunden her, dass wir von unserem Wüstenschiff getrennt sind.

Diese Tatsache initiiert eine kurze Runde an Sinnfragen: Warum sind wir überhaupt hier? Und überhaupt? Was machen wir hier?

Gut, dass dieser Abend ohne schlimmere Krisen ein friedliches Ende in unseren Betten findet.

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(5) Tanger Med oder Wo ist die Zollstation?

14.4. 2018, Tanger Med

Die grünen Hügel von Marokko

Bereits um 13.00 erblicken wir das geheimnisvolle Gibraltar aus der Ferne. Aufregung macht sich breit, denn nun kann der afrikanische Kontinent nicht mehr weit sein!

Und tatsächlich: Als wir voller Erwartung auf das Schiffsdeck laufen, sehen wir rechts das alte Europa und links von uns Afrika!

Euro, Afri

Tanger Med, der Hafen der erst vor wenigen Jahren den Schiffsverkehr aus dem eigentlichen Tanger übernommen hat, liegt vor uns. Erstaunlich grüne Hügel, Blumen und ein freundliches Wetter begrüßen uns.

Wir steigen in den Bus und machen uns bereit. Unser Wüstenschiff reiht sich ein in einen Pulk von Motorrädern, Kleinlastern und anderen Fahrzeugen.

Motorräder

Draußen herrscht ein wildes Getümmel und ein lautstarkes Gehupe und Gepfeife. Das eine von der chaotischen Menge an Fahrzeugen, das andere von den energischen Einweisern, die ihre Aufgabe mehr als ernst nehmen.

Als die Beamten unseren Bus entdecken, erregen wir die erste Aufmerksamkeit. Ein Einweiser, ein Beamter und ein Polizist nähern sich und verlangen gleich unsere Papiere.

Beamter

Andi, Willi und die gesamte Gruppe versuchen, in einem wunderbaren Gemisch aus Englisch, Französisch und Spanisch unseren Reisegrund zu vermitteln. Leider finden die Beamten, dass unser Bus durch den Zoll muss. Also werden wir dorthin eingewiesen.

Systematisches Chaos auf den Straßen

Das Verkehrssystem in Marokko ist abenteuerlich. Nach einiger Zeit erschließt sich uns das Gehupe: Weit und breit sind keine Ampeln in Sicht. Unser Wüstenschiff schleust sich haarscharf zwischen den vorbeibrausenden LKWs vorbei, spektakulär in den Kurven (!), und direkt zum Zoll für Laster und andere Großfahrzeuge.

Dort halten wir an und Andi sucht einen Beamten, der uns weiterfahren lässt.

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Doch, leider wird daraus nichts. Ein freundlicher, aber bestimmter Marokkaner erklärt uns, dass wir leider bei der falschen Zollstation gelandet sind. Bevor wir weiterfahren, gibt er uns noch einen Tipp: „And don’t be a racist with the Moroccans – the Moroccans are not the worst Arabs.“ Wir bedanken uns für den freundlichen Hinweis.

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Im Bus diskutieren wir darüber, welchen Eindruck der Mann wohl von den Europäern haben muss, um uns so einen Tipp zu geben. Ein netter junger Beamter steigt in einen Wagen, wir folgen ihm. Dafür bekommt er das erste kalte Redbull und eine Schachtel Zigaretten aus unserer „Geschenkebox“.

Auf der Suche nach der richtigen Zollstation

Wieder zurück bei der Hafenausfahrt nehmen wir nun eine andere Ausfahrt im Kreisverkehr. Nach der Kurve sehen wir schon eine unendlich lange Autokolonne. Wir erkennen einige der Reisenden von der Fähre wieder. Hier wiederholt sich das Spiel von oben: Neugierige und sehr wichtige Beamte kommen auf uns zu. Doch hier ist der Ton ein anderer. Der Capo steigt in unseren Bus, doch kaum hört er das Wort „projet humanitaire“ verzieht sich seine Miene und macht eine abweisende Geste: „Non, non, non.“ Da hilft es auch nicht, dass Andi versucht, ihm unsere Warenliste zu zeigen. Er läuft ihm nach, kommt aber entmutigt wieder zurück.

Wir warten 2 Stunden in einem Chaos aus Reisenden. Dann kehrt der Capo zurück und lässt uns verstehen, dass wir wieder zurück und zu einer weiteren Zollstation müssen. Jetzt schon etwas genervter steigen wir in den Bus. Willi vollbringt ein wahres Kunststück, den Bus rückwärts durch die vielen Autos zu schieben, damit wir umdrehen können. Als der Bus abfahrtbereit ist, springt Andi auf. Doch er ist nicht allein. Im Gepäck hat er einen kleinen Mann mit Namen Abdallah. Dieser inspiziert unseren Bus und bietet seine Hilfe an: Für eine Schultasche für seine Kinder.

Abdullah

Abdallah bringt uns auf den Parkplatz, der uns angewiesen wurde. Dort zeigt sich ein erschreckendes Bild: Kleinlaster, deren gesamter Inhalt auf dem Boden steht. Müssen wir also doch unseren gesamten Bus ausladen? Das kostet uns bestimmt einige Stunden!

Zoll ausräumen

Andi, beinahe schon routiniert, springt aus dem Bus. In seinen Händen hält er unsere Pässe und verschwindet hinter einem Häuschen auf dem Parkplatz. Der Rest der Gruppe beschließt, sich mit dem afrikanischen Zeitverhältnis anzufreunden und entspannt sich einstweilen.

Bald kommen die beiden zurück. Unglaublich, aber wahr: Wir sind schon wieder auf einer falschen Zollstation. Innerlich atmen wir auf! Gerade noch mal dem Ausräumen unseres Busses entgangen 🙂

Abdallah, ein geschäftiger Mann redet auf Andi ein, während Willi den Bus gewissenhaft weiterfährt. Und bald schon kommen wir an. Dieser Platz erinnert verdächtig stark an die erste Zollstation, nur ohne LKWs.

Andi und unser marokkanischer Freund verschwinden. Für den Rest der Crew heißt es erneut: Warten und in den Himmel schauen.

Noch ist Hoffnung in Sicht. Diese verschwindet schlagartig mit der Rückkehr von unserm Captain.

Andi und Abdullah kommen zurück

Die Zollstation ist geschlossen, wir kommen vor Montag nicht weiter. Sämtliche Versuche, hier eine Ausnahme zu erwirken, schlagen fehl. Da nützt auch das Bitten beim Polizeipräsidenten nichts, den Abdallah – keiner kann erklären wie – plötzlich hinter einem Auto hervorzieht.

Wir geben auf. Der nette Polizeipräsident bietet uns an, den Bus vor der Überwachungskamera zu parken. Das sei aber alles, was er im Moment für uns tun können.

„My friend“ meint Abdallah „No problem, no problem. I can bring you to a hotel“. Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir packen unsere Taschen und steigen in zwei Taxis. Abdallah möchte noch eine Schultasche.

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Tanger – Eine Stadt der Begegnungen

Die Fahrt nach Tanger geht über 56 Kilometer. Die ersten Eindrücke faszinieren.

Der Taxifahrer und Abdallah bemerken, dass Nika Spanisch spricht. Ab diesem Moment muss sie übersetzen: Wie schön Tanger ist und vor allem international! „Chica, Chica“ brüllt der Taxler neben dem Handy-Gespräch von Abdallah und dem lautstarken Radio nach hinten. „Tanger, todo el mundo, todo el MUNDO: españoles, ingleses, daneses, holandeses, alemanes: TODO EL MUNDO.“ Die internationale Hafenstadt Tanger sei ohnehin ein wunderbarer Ort. Und bald schon erreichen wir sie und stellen fest: Das ist sie auch!

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Etwas geschlaucht checken wir in ein wunderschönes Hotel am Meer ein. Nach einer kurzen Erfrischung heißt es: Abendessen mit Abdallah.

Andi und Abdullah

Wir laufen eine halbe Stunde durch die Stadt, bis wir eine Bar erreichen, aus der laute Musik dröhnt. Ein Live-Musiker, eisige Kälte der Klimaanlage und ein nervöser Abdallah. „Todo gratuito, todo gratuito“ meint er und heißt uns Platz nehmen.

Wir bestellen Wein und bekommen Speisen aufgedeckt. Abdallah wird nicht müde uns zu erklären, dass alles gratis sei. Doch Andi lehnt sich zurück und raunt: „Im Leben ist gar nichts gratis.“ Und so sieht am Ende des Abends auch die Rechnung aus: Für einige Speisen wurde wirklich nichts verlangt. Dafür hatte sich der Preis bei den Getränken verdoppelt.“ Der niedergeschlagene und auch schon etwas betrunkene Abdallah ruft verzweifelt nach einem Taxi. Natürlich, gratuito.

Bevor wir einsteigen, küsst er jedem von uns die Stirn. Wir verabschieden uns, steigen ein und fahren Richtung Hotel. Beim Aussteigen erleben wir eine Überraschung! Diesmal war das Taxi tatsächlich – kostenlos.

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P.S.: Wer sich einen Eindruck von Tanger verschaffen will, findet diesen in dem genialen Film Only lovers left alive von Jim Jarmusch. Und natürlich im nächsten Eintrag auf Tirolambia.

(4) Zweiter Tag der Überfahrt: Das Leben auf der Fähre

13.4.2018, auf offenem Meer

Das Leben auf der Fähre

Wer an der Reiling steht und in die Heckwellen schaut, dem läuft schon ein kleines Kribbeln über den Rücken. Der Wind ist so stark, dass man sich fast dagegen lehnen kann und nach einer halben Stunde erschöpft, wie von einem Marathonlauf, das Innere des Schiffs aufsucht.

Fähre hinten

Das Innere der MAJESTIC gleicht einem Labyrinth aus endlosen sich verzweigenden Gängen.

Kabinengänge

Mehrmals verlaufen wir uns auf dem Weg in den Speisesaal, auf dem Weg zur Piano Bar oder zur Riviera Bar. Na gut, dass kann natürlich auch am täglichen Gin Tonic liegen 😉 Aber wir nehmen die Malaria-Prophylaxe eben ernst. Neben dem Gin schmeckt uns auch ein edler Rum, den Willi mitgebracht hat. Am besten in Kombination mit einer Zigarre.

Im Speisesaal kämpfen wir um unser Essen. Die Sache mit dem Foodpass wird sehr ernst genommen. (ein Foodpass ist ein Zettel mit 6 Einzelcoupons pro Fahrgast. Der Kassamann muss jede Speise und jedes Getränk – trotz gebuchter Vollpension – händisch eingeben.) Leider haben wir nur einen davon. Das macht die Gruppe etwas unflexibel.

Das Essen auf der MAJESTIC ist mit mehreren Halal-Zertifikaten ausgezeichnet und überhaupt kommen wir hier mit der arabischen Kultur vorsichtig in Berührung.

Teppiche

Was uns schon mal neugierig auf die weitere Reise macht, erzeugt nicht bei jedem Lust auf Neues.

Kreuzmann

Ein Gewitter zieht auf. Dank der Reisepflaster von Willi und Lukas kann uns der wilden Seegang nichts anhaben. Während Lukas, Willi und Andi die Kajüte aufsuchen, um ein wenig Schlaf nachzuholen – springt Inge unter die Dusche.

Währenddessen trotzen Philip und Nika dem Sturm an Deck des Schiffs. Wild braust er übers Meer: 6 Knoten, bestimmt. Einen geraden Schritt zu halten ist unmöglich.

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Unwirtlich, herb und wild – zeigt sie sich uns heute – die unbeherrschbare See. Doch bald schon lenkt sie ein und schickt uns ein Zeichen des Friedens: ein Regenbogen erscheint am Himmel.

Regenbogen

Am Abend treffen wir uns alle wieder in der Pianobar. Da wir beim Mittagessen einen Einblick in die Kantinenküche der MAJESTIC-Vollpension erhalten haben, entscheiden wir uns für einen Alternativsnack aus der Heimat 🙂

Am nächsten Morgen zeigen sich noch die Spuren der Nacht.

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Bald schon haben Sonne und Wind die Regenpfützen getrocknet und wir genießen die letzten Stunden am Deck.

(3) Warten auf die Fähre

12.4.2018, Genua

Genua, 6.30. Nach einer langen, nicht sehr erholsamen Nacht, erreichen wir die Hafenstadt. Müde und gerädert suchen wir nach Stärkung. Doch weit und breit kein Café!

Das Hafenpersonal erklärt uns, dass wir mit Pass und Ticket das Areal verlassen können. Also machen wir uns auf den Weg.

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Erleichtert fallen wir gleich in der erstbesten Bar in den Sessel. Eine heiße Tasse Café und ein Croissant holen uns wieder ins Leben zurück. Die letzten Notwendigkeiten – wie Tabak – werden angeschafft. Doch nun beginnt das Warten. Die Polizeikontrolle lässt sich Zeit und kommt später, als erwartet. Und diese Verzögerung soll den Rhythmus des heutigen Tages bestimmen.

Wir warten und warten, warten und warten … Derweilen vertreten wir uns die Beine und vertreiben uns die Zeit.

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Langsam füllt sich der Parkplatz mit allerlei vollgepackten Fahrzeugen.

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Ein Trupp Motorräder fährt vorbei. „Also taufrisch schauen die auch nicht mehr aus!“ lacht Willi. Wir kehren zurück zum Bus und freuen uns auf die Überfahrt.

Dort heißt es immer noch: Warten. Die Finanzpolizei streift durch die Autokolonnen. Manch einer muss auf Verheiß das Schloss des Kofferraums öffnen. Auch wir werden zur Polizeikontrolle gebeten.

Mit Pass und Fährenticket erhalten wir unseren ersten Stempel für die Reise nach Marokko, Afrika. Und wieder im Bus heißt es: Warten.

Wir packen unsere Taschen für 2 Tage auf der Fähre. Denn ist der Bus mal eingeparkt, gibt es keinen Zutritt mehr. Doch bevor wir einsteigen, genießen wir einen weiteren Gin Tonic. Dieser passt – man glaubt es oder nicht – hervorragend zu der Villacher Nusspotitze.

Dann endlich heißt es Einsteigen: Für alle per pedes – außer dem Busfahrer. Um 12.30 lassen wir also Willi alleine im Bus und besteigen das Schiff.

Blog 2 (Europa)

Eine bombastische Rezeption und kleine Kajüten erwarten uns. Andi, Inge und Lukas gehen gleich an Deck. Nika legt sich für 10 Minuten aufs Ohr und Philip springt unter die Dusche. Kurz vor 13.00 versammeln wir uns draußen am Mayor-Deck. Doch Willi fehlt!

Bei einem Blick über die Reling sehen wir einen völlig leeren Parkplatz und… das Wüstenschiff.

Nach kurzer Panik gibt man uns erleichtert ein Zeichen: Wir wurden nur fast (!) vergessen. Pünktlich um 13.00 legt die Fähre ab und langsam verschwindet die Hafenstadt Genua hinter uns.

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Die erste Etappe ist geschafft: Die Crew ist entlassen und darf sich in die Kajüten zurückziehen.

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Morgenstunden auf der Fähre

13.4.2018, Barcelona

Am nächsten Morgen erreichen wir gegen 7.30 den Hafen von Barcelona. Wir liegen noch verschlafen im Bett, als wir – fast nebenbei – eine Durchsage hören: “Monsieur Andreas Lánschääär ou Andreas Laaoongeerr á la reception s ́il vous plaît.” Nika springt noch im Pyjama auf und läuft zur Kabine des Captain. Als sie klopft, öffnet sich die Tür: Lukas, Willi und Andi stehen bereits zum Abmarsch bereit. Der Bus, der ja fast vergessen wurde, blockiert nun die anderen Fahrzeuge. Also heißt es raus aus der Fähre und umparken.

Obwohl wir 3 Stunden Aufenthalt in Barcelona haben, können wir das Schiff nicht verlassen (Leider kein Frühstück mit Nika’s Freundin Kathi!). Die Stiegen sind mit Absperrbändern blockiert. Trotzdem genießen wir den Ausblick auf die spanische Metropole.

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Um 10.30 setzt sich die Fähre erneut in Bewegung und wir steuern hinaus aufs offene Meer in Richtung afrikanischer Kontinent.

Blog 2 (Berg)

(2) Nachtfahrt nach Genua

Donnerstag, 12.4. 2018

Auf dem Weg Richtung Genua lernen wir unser Wüstenschiff richtig kennen. Während es auf der Autobahn tadellos dahintuckert, rattert der Tacho beim Bergauffahren Richtung Brenner schon mal auf 50 km hinunter. Wir kommen aber gut über den Berg und langsam wird’s Zeit für den ersten Manöverschluck. Ein Hoch auf den Fahrer Willi.

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Das Wüstenschiff rollt geschmeidig dahin und wir erreichen nach gut eineinhalb Stunden Brixen. Vor der ganzen Aufregung knurrt uns ordentlich der Magen. Also heißt es: Aussteigen und Essen fassen. Die Brixener Altstadt gefällt uns so gut, dass wir die Gelegenheit nutzen, um uns die Beine zu vertreten. Die Runde führt uns zurück zum Traubenwirt. Wir genießen unser erstes gemeinsames Abendessen mit einem etwas verwirrten, aber sehr höflichen Kellner. Nur zum Schluss müssen wir kurz schlucken, als er uns für Norddeutsche hält.

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Weil noch eine lange Fahrt vor uns liegt, können wir uns damit nicht aufhalten.
Zurück beim Bus müssen die Radmuttern nachgezogen werden.

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“Und da soll noch einmal einer sagen, dass wir das nicht ernst nehmen” meint Captain Andi, bevor die letzte Etappe Richtung Genua in Angriff genommen wird.

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Fahrerwechsel. Captain Andi ergreift das Ruder und schifft uns in die Nacht.

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Und die Crew sucht sich ein Plätzchen zum Schlafen. Das sieht schon mal gemütlich aus. And Genova goes to sleep…

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(1) Ein Wüstenschiff startet ins Abenteuer

Mittwoch, 11.4. 2018

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Es ist soweit und es wird ernst! Um 17.00 erreichen die ersten Crewmitglieder den Abfahrtsort bei den Ledermair-Bushallen. Auch Familienmitglieder und Freunde versammeln sich dort. Die letzten Taschen werden in den Bus gepackt, leichte Wehmutsstimmung macht sich breit.
Ein Fahrrad biegt um die Ecke und es erscheint unser gambianischer Freund. Er wollte es sich nicht nehmen lassen, uns eine Gute Fahrt zu wünschen. Und das auf seine eigene Art.

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Mit einer Flasche Wasser, das er mit guten Wünschen besprochen hat, tauft er das Wüstenschiff. Aufregung bei der versammelten Mannschaft und Raunen in der Menge, die in die Glückwünsche mit einstimmt. Das muss richtig besiegelt werden.

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Jetzt geht alles rasant schnell. Die Crewmitglieder verabschieden sich, umarmen ihre Liebsten, schütteln die wohlwollenden Hände und auf geht’s. Mit brummendem Motor setzt sich das Wüstenschiff in Bewegung und bricht auf in sein Abenteuer.

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Abfahrt in Richtung Abenteuer

Dienstag, 10.4. 2018

Der Vorabend

Damit wir die Fähre auch rechtzeitig erreichen, wird der Dienstag Abend als Anreisedatum für unser auswärtiges Crewmitglied vereinbart. Doch Philip, unser waschechter Kärntner aus Villach, meldet am Dienstagmorgen eine Autopanne. Der Motor stottert, das Auto muss in die Werkstatt. Und das alles, obwohl vor 3 Tagen noch ein Service gemacht wurde!

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Mit 2,5 Stunden Verspätung erreicht Philip unsere schöne Stadt Schwaz und überbringt Spenden aus Villach:

200 Euro vom Villacher Bürgermeister Günther Albel, neue Federpenale vom Papierfachhandel Strein Villach und auch Thalia Villach schenkt uns Buntstifte und Ordnermappen. Aus Klagenfurt kommen Sachspenden im Wert von 150€ und Schultaschen von der Caritas Klagenfurt.

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Im Bauch des Wüstenschiffs

Für die nächsten 17 Tage wird der schöne CITARO unser Zuhause sein. Den ehemaligen Linienbus, der seine Strecke zwischen Igls und Innsbruck zurückgelegt hat, packten wir am Wochenende bis oben hin voll: Rollstühlen, Medikamenten, Verbandsmaterial, Fahrräder, Laptops und Schultaschen sind schon an Bord.

Sachen

Die gesamte Crew inklusive Yusuf und HelferInnen waren vor Ort, um gemeinsam Hand anzulegen. Zuerst klebten wir im hinteren Teil des Busses die Scheiben mit Folien und Kartons ab. Der freizügige Blick auf unsere Ladung wurde so ein wenig einschränkt und bald schon herrschte im Bauch des Wüstenschiffs ein angenehmer Blauton.

Folie

Damit die Hilfsgüter unversehrt an ihrem Zielort ankommen, verpackten wir sie bereits im Vorfeld. Für unseren Kühlschrank bauten wir eine Holzplatte ein, unter denen die Fahrräder ein zuverlässliches Plätzchen fanden. Wir hingegen befanden die Platte auch in ihrer Funktion als Bar einstimmig als äußerst geeignet.

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Nach der kleinen Stärkung (Danke Helene!) ging es weiter mit dem Einladen. Vor allem bei den Ersatzteilen für den Bus, sowie Reserveräder, Batterien und Dieselkanister brauchte es einen speziellen Platz. Sicher gelagert, aber auch griffbereit – für den Notfall.

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Während im hinteren Teil des Busses an der Sicherung des Transportguts gearbeitet wurde, inspizierten einige Crewmitglieder die technischen Möglichkeiten der Musikanlage. Ein originales Kassettendeck wurde ausfindig gemacht. Was für ein Glück, dass Lukas bereits Vorkehrungen getroffen hatte! Dank seiner Adapterkassette war die Verbindung zu sämtlichen  Sounddaten am Handy geritzt. Check!

 

Nach insgesamt 4 Stunden hatten wir es geschafft. Beeindruckt schauten wir auf den Bauch des Wüstenschiffs: Tatsächlich hatte er all unser Kisten, Säcke und Schachteln bescheiden geschluckt.