(17) Endspurt für das Wüstenschiff: Auf nach Banjul, Gambia!

Der Wecker klingelt um 7.00, wir sitzen kerzengerade im Bett! Heute liegt die letzte Etappe unseres Abenteuers vor uns: Das Wüstenschiff an sein Ziel nach Banjul zu bringen.

Also genießen wir gemeinsam unser Frühstück im schönen Ambiente des Hotel Poste. Es fällt leicht, sich in die Zeit der 20er und 30er Jahre zurückzuversetzen: dunkles Mahagoniholz und sattes Grün der tropischen Pflanzen, wohin das Auge reicht.

Als wir den letzten Schluck Kaffee nehmen, erscheint schon unser Guide Moulaye mit seinem Helfer. In seiner freundlichen, lässigen Art begrüßt er uns mit Handschlag: Es tut ihm leid, aber er kann uns nicht selbst bis nach Gambia begleiten. Aber sein Helfer genießt sein vollstes Vertrauen: „This man will bring you safely to the border. And be sure: you won’t pay anything, anything“. Ein breites Grinsen in seinem Gesicht.

Wir steigen in die von ihm bereits organisierten Taxis, eines fährt schon los. Doch wo steckt Philip? Da taucht er auf, noch ganz verschlafen. Ja, irgendwie müssen zwischen Busfahrt, Essen und Schlafen auch die Fotos bearbeitet werden!

Endlich komplett, startet auch das zweite Taxi Richtung Stadtrand wo wir das Wüstenschiff geparkt haben. Die Straßen sind voller Menschen, die emsig ihre Geschäftswege erledigen. Ein buntes Treiben aus lauten Stimmen, Farben und Gerüchen dringt aus dem offenen Fenster zu uns. Glitzernd schimmert die Morgensonne auf dem gigantischen Sengalfluss, der hier in Saint Louis in den Atlantischen Ozean mündet. Als Philip seine Kamera zücken will, sucht er sie vergebens. Sie ist im anderen Taxi mitgefahren!

Am Parkplatz treffen wir zusammen und halten unsere Etappe noch mit einem Gruppenfoto fest.

Bildschirmfoto 2018-04-25 um 14.29.00

Und die Räder rollen wieder. Die Straßenverhältnisse sind erstaunlich gut. Da wir heute wieder eine Fähre erwischen müssen, stehen wir unter Zeitdruck. Wie lange die Zeitintervalle zwischen den Schiffstransporten liegen, wissen wir nicht. Und auch nicht, ob jede Fähre auch große Fahrzeuge – wie das Wüstenschiff – mitnimmt.

Während der Fahrt steigt die Hitze gewaltig an. Bald schon hat es 34 Grad im Bus, obwohl wir die Vorhänge heruntergelassen haben und die Klimaanlage läuft. Andi fährt, so schnell er kann. Wir verzichten auf Pausen, obwohl es bei manchen schon längst an der Zeit wäre, einen kleinen Stopp einzulegen. Immer wieder muss der Bus abbremsen, weil eine Truppe Kühe oder ein Esel die Straße blockiert.

Bildschirmfoto 2018-04-28 um 16.26.17

Inge, gerade im Inbegriff aufzustehen, sieht von hinten den Esel auf der Straße nicht. Laut tönt die Hupe, bevor das Lenkrad nach links gerissen wird. Doch es ist zu knapp und das Wüstenschiff muss heftig bremsen. Mit einem Aufschrei stürzt Inge zu Boden und landet unsanft zwischen den Sitzen. Doch dem ersten Schrecken folgt auch schon ein Lachen: „Es ist nichts passiert,“ sagt sie. Spätestens jetzt wissen wir, dass es doch eine Pause braucht. Es folgt ein Halt an der Tankstelle.

Nach einer Viertelstunde sitzen wir wieder im Bus. Die Strecke zieht sich in die Länge, wir scheinen heute den Wettlauf mit der Zeit zu verlieren. Das Telefon klingelt. Es ist Yusuf, der uns am Grenzübergang Karang erwartet, um die Formalitäten mit dem Zoll zu beschleunigen.

Vorbei geht es an kleinen Ortschaften, Termitenhügeln und Häusern mit Strohdächern. Viele Menschen winken uns zu, doch nicht bei allen sind wir erwünscht.

 

Wir merken, wie uns die Reise langsam an unsere Grenzen treibt. Das ewige Geruckel im Bus, das Dröhnen der Motoren und die Hitze, die wir nicht gewohnt sind, zwingen uns in die Knie. Gereizt oder unglaublich schlapp, drückt es uns in die Sitze. Obwohl unsere Kühltruhe auf Hochtouren arbeitet, kommt sie gegen die Temperaturen nicht mehr an. Und wir sehnen uns nach einer kühlen Erfrischung.

Bildschirmfoto 2018-04-28 um 16.28.51

Andi versucht, unserem Helfer verständlich zu machen, Yusuf zu kontaktieren. Rene und Nika helfen dabei, damit er sich auf die Straße konzentrieren kann. Doch da springt einer plötzlich auf und ab am Straßenrand! Er reißt die Hände in die Höhe und lächelt. Wir haben Yusuf gefunden – oder besser gesagt, er uns.

Schnell springt er in den Bus, hinter ihm ein eindrucksvoller Mann mit Kappe und der typischen Gebetskette: der Imam aus Karang. Also dürfte der Grenzort nicht mehr weit sein. Und so ist es dann auch: Vor uns liegt eine Ansammlung an kleinen Häuschen und ein Gewirr an Menschen, Karren und Tieren.

Der Bus hält. Nichts wie raus, aus unserem Wüstenschiff, denken sich alle. Wie sehr sehnen wir uns nach dem erfrischenden Wind, der draußen ruhig die Blätter und Papierfetzten durch die Luft bläst. Ein bisschen Erfrischung, ein paar Momente der Ruhe, das wünschen wir uns.

Doch es kommt ganz anders! Kaum haben wir einen Fuß vor die Tür gesetzt, sind wir umschwärmt von Frauen, die uns ihre Ware feilbieten wollen. Während Andi, Willi und Yusuf im Zoll- und Passamt verschwinden, geraten wir in die Klauen der witzigsten Geschäftsfrauen, die wir je gesehen haben.

Wir können uns nicht retten, die Damen machen ihre Sache einfach zu gut. „Here, buy this from me! You don’t want to buy?“ Wir versuchen mit den unterschiedlichsten Taktiken die Frauen abzuschütteln, aber: No way. Emsig schnatternd und lachend haben sie uns umzingelt und begleiten uns so zum Bus. „You have money? Give me money!“ Anfangs noch abgeschreckt durch diese Direktheit, entspannen wir uns immer mehr und können dann auch lachen. Spätestens, als wir verstehen, dass die Feilscherei zum Teil Zeitvertreib und lustiges Spiel ist. Denn offensichtlich eignet sich jeder Gegenstand zum potenziellen Kaufobjekt! Dies wird uns klar, als Lukas den Sand aus dem Bus zu kehren beginnt, um die Ladies eventuell so ein wenig zu verscheuchen. Falsch gedacht: Kurzes Gekreische gefolgt von einem koketten: „Nice brush! Give me that brush!“ T-Shirt, Hüte, Schuhe und Hosen werden mit einem breiten Lachen im Gesicht beanstandet. Und wir können nicht standhalten. Zumindest zwei T-Shirts ergattern die Damen und verkaufen uns ein paar Säckchen Nüsse zu einem völlig überteuerten Preis. Yusuf schüttelt nur den Kopf, als wir ihm davon erzählen. Von so hartnäckigem Geschäftssinn kann man sich eine Scheibe abschneiden, meinen wir. Und es vertreibt die Zeit.

Endlich kommen Andi und Willi zurück, um uns zu holen. Wir folgen ihnen zum Passamt, wo wir brav unsere Fingerabdrücke abgeben und uns der Gesichtskontrolle stellen. Die Formalitäten werden ohne Schwierigkeiten erledig.

 

Los geht’s – aber nichts geht mehr!

Unserer Überfahrt steht also nichts mehr im Weg! „Dann kann es also losgehen,“ denken wir uns und laufen zurück zum Bus. Als Andi den Zündschlüssel umdreht und Lukas den Spezialgriff hinten bei den Kabeln zum Starten anwendet, macht der Bus … genau nichts. Was ist los? Gibt das Wüstenschiff etwa so kurz vor dem Ziel auf?

Panik bei der gesamten Crew – doch dann, Erleichterung. Es ist nur die Batterie und die ist leer. Wir verkneifen und die Frage, wie das passieren konnte und machen uns daran, die Starterkabel zu finden. Was sich schwieriger gestaltet, als gedacht. Tanger Med taucht in unserer Erinnerung auf und der Tag an dem wir für den Zoll den ganzen Bus durchwühlen mussten. Natürlich sind die Starterkable jetzt, wo wir sie brauchen, nicht mehr dort, wo sie einmal waren… Es heißt: Nerven bewahren und durchhalten.

Diesmal ist es Lukas, der nicht nur die Stimmung der Crew, sondern auch die Weiterfahrt nach Banjul rettet. „Ich hab‘ sie!“ schreit er aus dem Bus. Uns fällt ein Stein vom Herzen – wir können zur Zollkontrolle fahren. Endlich kommen unsere Impfpässe zum Einsatz, die wir bereitwillig – wie unsere Pässe – an Andi übergeben. Er verschwindet mit Yusuf im Amt und für den Rest der Crew heißt es wieder einmal: Warten.

Währenddessen erhalten wir Besuch. Die Kinder kommen! Wild – und damit untertreiben wir nicht – stürzen sie sich auf die Kugelschreiber, die Nika ihnen bringt. Dabei gehen einige kaputt. Mit großen Augen kommen sie zurück und zeigen auf das kaputte Beweisstück: „Please! It’s not good!“ Wer kann da schon hart bleiben? Kugelschreiber und Kekse wandern aus dem Wüstenschiff, während wir auf unsere Einreisegenehmigung warten. Ein Junge präsentiert uns stolz sein Fahrrad.

Bildschirmfoto 2018-04-28 um 16.46.19

Als der Captain zurückkommt, sind die Nachrichten erfreulich, allerdings nicht ganz ohne Wehrmutstropfen. Der Überfahrt nach Banjul steht nichts im Wege: Doch das gilt nur für die Crew- nicht aber für das Wüstenschiff. Denn die Fähre mit dem letzten Zolltransport haben wir leider versäumt. Yusuf, der ohnehin noch die Zulassung für den Bus regeln muss, nimmt sich das für den nächsten Morgen vor.

Mit gemischten Gefühlen verlassen wir den Bus und steigen auf die Fähre.

 

Das Ende eines Abenteuers

Obwohl wir unser Wüstenschiff ungern zurücklassen, freuen wir uns sehr auf den heutigen Abend! Noch in Österreich haben wir mit Alois Weiss und Nina Waitz Kontakt aufgenommen, die in Brufut eine kleine Oase aufgebaut haben. Und hier, in Leo’s Beach Hotel, erwartet uns der Tiroler Gastronom und seine Frau bereits mit einem köstlichen Essen. Erleichtert kommen wir dort an und ganz ehrlich: Es braucht nicht lange, um uns zu überreden, herzhaft zuzugreifen und uns – endlich – zu entspannen.

 

Am nächsten Morgen müssen Andi, Willi, Yusuf und Philip noch einmal in den sauren Apfel beißen. Während die anderen sich am Meer und Strand entspannen, fahren die Tapferen noch einmal zurück zur Zollstation. Es folgt ein langes Prozedere, bis der Bus endlich auf die Fähre darf. Fast alle Formalitäten konnten mit der Hilfe von Andi erledigt werden. Die Überstellungskennzeichen werden abgenommen, der Übernahmevertrag von Yusuf unterzeichnet. Er ist jetzt offizieller Besitzer des Mercedes Citaro. Wir stoßen auf diesen Moment an und wünschen ihm Alles Gute! Möge sein Vorhaben gelingen und ein fruchtbares Unternehmen werden: damit seine Familie in Farafenni bald ein besseres Leben führen kann.

 

Das Wüstenschiff ist in Banjul angekommen und hat damit sein Ziel erreicht. Es nun in andere Hände zu übergeben, fällt uns nicht leicht. Doch für alles im Leben kommt einmal ein Abschied! Ein herzlicher, ein wunderschöner und natürlich einer mit  ordentlichem: Piep-Piep!

Bildschirmfoto 2018-04-28 um 17.49.04

 

Hier endet das Abenteuer unsers Wüstenschiffs – doch nicht für uns. Es gibt noch viel zu tun und noch einiges zu berichten. Stay tuned für jede Menge Bonusmaterial – wie etwa den Bericht aus Farafenni: Ein Besuch bei der Familie von Yusuf.

 

 

 

 

 

 

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