(15) Die Fahrt nach Nouakchott: Roter Sand und ein Essen mit dem Vizekonsul

23.4. 2018, Mauretanien

Die Fahrt nach Nouakchott gestaltet sich – dank Sidi – recht entspannt. Bereits aus Marokko sind wir die vielen Polizeikontrollen gewöhnt, die sich meist doppelt vor und doppelt nach einem Ort befinden.

Mit Sidi läuft die Sache wie geschmiert. Der Bus verlangsamt sein Tempo, bleibt stehen, das Fenster wird hinuntergelassen. Manchmal reicht es, den Grund und das Ziel der Reise anzugeben: Nous sommes d’Autriche, Nemsa, oui! Nous allons à Gambie!

Die Kontaktaufnahme auf Französisch – wobei Nemsa der arabische Name für Österreich ist – wird von Sidi übernommen und in der Landessprache fortgeführt. Wir beobachten den Wortaustausch, den wir nicht verstehen, der aber meistens mit einem Handschlag endet. Es versteht sich von selbst, dass wir hier die Kamera nicht benutzen dürfen.

Selten steigt Sidi aus und begleitet den Polizisten zur Wachtstation, einer kleinen Hütte aus Holz, der man die viele Jahre im rauen Klima der Wüste ansieht.

Genau haben wir nicht mitgezählt. Wir schätzen aber, dass sich diese Situation sicher 8-10 Mal am Tag abspielt.

Das Klima und auch die Vegetation verändern sich. Während die Hitze stetig zu nimmt, scheint der Sand mit jedem Kilometer röter und röter zu werden. Unser Zeitverlust zwingt uns zur stetigen Weiterfahrt. Pausen beschränken sich auf Aufenthalte an der Tankstelle.

 

Wir sind froh über unsere Bordküche: die Kühlbox arbeitet fleißig und bietet das ein oder andere kühle Getränk zur Erfrischung. Für ein Mittagsessen bleibt wenig Zeit. Gut, dass wir unsere Vorratskammer ordentlich bestückt haben, aus der Inge in regelmäßigen Abständen die hungrige Crew versorgt. “Service is our success” sagt sie und bietet Sidi einen Teller mit frischen Melonenstücken und Orangen an, die Willi und Lukas am Markt von Ad Dakhla besorgt haben.

Sidi bedankt sich lachend:” This is better than Austria Airlines”. Dann zeigt er aus dem Fenster. In der flachen Wüste sieht man kleine Hügel aus Sand, meist in 4er Gruppen. Hier wird nach Gold und anderen Bodenschätzen gegraben, erklärt er uns.

Bald schon erspähen wir am Straßenrand Werkstätten. “This is Shermin”, erklärt Sidi, “The City of Gold”. Auf großen Flächen häufen sich Sandladungen und Gerätschaften, in denen der Sand gewaschen wird. Denn zwischen den Städten Nouadhibou und Nouakschott wird nach Gold und anderen Bodenschätzen gegraben. Die Instrumente erinnern uns an die Siebe der Goldwäscher aus Westernfilmen, nur wesentlich größer sind sie und bereits dem System der Industrialisierung unterworfen.

Die kleine Stadt lassen wir schnell hinter uns, die Sonne steht hoch am Himmel. Vor uns hat der Wind den Sand zu Dünen aufgeworfen, hohe rote Schranken aus Sand. Was für ein Glück, dass wir hier tanken müssen!

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Der Sand ist so verlockend, dass wir die Düne besteigen wollen. Doch sie ist trügerisch! Die Füße versinken schneller, als man schauen kann und wer keine festen Schuhe trägt, verliert schon mal seine Flip Flops.

Zufrieden steigen wir in das Wüstenschiff. Ohne weitere Vorkommnisse, passieren wir die letzten Polizeikontrollen, bevor wir in die Hauptstadt Mauretaniens einfahren.

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An den Straßenrändern spazieren die Menschen fest in ihre Tücher gehüllt, um sich gegen den Sand und die Sonne zu schützen. Die Hitze treibt sie zurück in das Innere der Häuser. Erst am Abend lebt die Stadt so richtig auf, wie auch wir erleben werden.

Denn kaum sind wir im Hotel angekommen, tritt ein geschäftiger Mann ein. “Where is Mr. Langer? Where is Mr. Langer?” fragt er aufgewühlt und lässt sich erst beruhigen, als Willi ihn zu Andi bringt. Es ist der Vizekonsul Alioune Diarra (Honorary Consul auf Austria), mit dem Andi bereits zu Hause Kontakt aufgenommen hatte.

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Völlig außer sich erklärt er, dass er bereits seit zwei Stunden nach uns suche. Er habe angerufen, aber niemanden erreicht. In jedem Hotel von Ad Dakhla habe er nach uns gefragt.

Wir können die Verwirrung nicht ganz nachvollziehen, verstehen aber Bruchteile der hektischen Berichterstattung: Unser Bus sei vor der Einreise nach Mauretanien gesichtet worden, was dem Vizekonsul mitgeteilt worden war. Dann aber habe man uns aus den Augen verloren. “Such a big bus…” wundert sich der Vizekonsul noch immer. Bald aber hat er sich beruhigt und kommt zum erfreulicheren Teil des Gesprächs: Eine Einladung ins beste Fischrestaurant von Nouakchott!

Auch Sidi ist dabei und wir genießen ein außergewöhnlich leckeres Abendessen.

 

Der Vizekonsul ist von unserem Projekt sehr angetan. “Eine Hand allein klatscht nicht” zitiert er ein afrikanisches Sprichwort und spricht uns seine Wertschätzung aus. Auf Andi’s Selbstkritik – wir hätten uns vielleicht besser vorbereiten können – winkt er ab. Fehler mache man immer, meint er und legt die Hand auf seine Brust. Es sei möglich, meint er, dass man vielleicht nicht immer genau erklären könne, warum eine Sache gut sei. Aber das sei auch nicht wichtig. “You can feel it in your heart that it is good, you know. You can feel it in your heart that you are doing a good thing. And this is what I can feel too: that it is good.“

Konsul rot markiert

Die blumigen Beschreibungen des Vizekonsuls berühren uns sehr. Doch der Konsul lehnt sich zurück und lacht laut, bevor er dem Kellner winkt. “We will order mauritanian beer now! Or maybe whiskey…” scherzt er vor sich hin.

Abendessen

Bissap heißt das dunkelrote Getränk aus Ingwer, Limette und einer Pflanze, die wir unter dem Namen Flor de Jamaica (Hibiskus) vorgestellt bekommen. Es ist süß und angenehm scharf. Der Vizekonsul erklärt uns, dass dieses Getränk nicht nur gut schmecke, sondern auch einen positiven Nebeneffekt habe: Es lässt sich damit hervorragend abnehmen, meint er. Allerdings nur, wenn man den Zucker weglässt!

Konsul lachend 2

Zum Abschluss bestellen wir Tee und fahren ins Hotel. Pro Zimmer gilt die Regel safety first: Schnaps (von Klaus) und Wein (aus dem Himmelreich) zur täglichen Desinfektion erhalten das Immunsystem. Ob am Morgen oder Abend (oder beides) ist jedem Crewmitglied selbst überlassen: Hauptsache, man kümmert sich!

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