(14) Sidi – Der Herr der Wüste oder im Niemandsland vor Mauretanien

22.4. 2018, Niemandsland/ Mauretanien

Wenig später erscheint hinter einem Felsen ein Auto, das auf uns zu steuert. Als der Wagen stehen bleibt, halten wir auch das Wüstenschiff an. „Das muss er sein,“ sagt Andi. Die Türen des Busses öffnen sich und ein großer, sehniger Mann tritt ein. In hellblaues, wallendes Gewand gehüllt, flösst seine Erscheinung Ehrfurcht ein als er Andi’s Hand in seine beiden Hände schließt.

Er heißt uns losfahren und vorsichtig bewegt sich unser Bus über das wilde Gelände. Es rattert und scheppert und fast schremmen wir über ein paar Felsen. Doch Willi korrigiert den Kurs und schifft uns gekont über den Untergrund. Glatter, weißer Fels erhebt sich ab und an aus dem weißen Sand. Der Nordwind hat ihn freigelegt.

Die Visastation liegt hinter einer Durchfahrt, die von zwei Steintürmen flankiert wird. Stolz und vom Militär bewacht, liegt das Areal in der Wüste. Ganz hinten, auf einer Düne stehen zwei UN-Jeeps.

Niemandsland UN

Grenze Mauritania

Keine Kamera im Niemandsland

Schon längst haben wir die Kameras weggepackt und den Alkohol verstaut. Sidi instruiert uns noch einmal: „If they ask: alcohol? You just say: no.“ Auf unsere besorgten Blicke lächelt er uns sagt: „I’ve already arranged that“.

Wir vertrauen Sidi und vergessen, was wir kurz zuvor in Mineralwasserflaschen abgefüllt oder in unsere Reisetaschen gesteckt haben. Es gibt auch keine andere Möglichkeit, denn schon kommen die Militärs auf uns zu.

Alle in dunkelgrünen Overalls und ein Tuch fest um den Kopf gewickelt, dass es Haupt und Gesicht, ja auch den Mund verhüllt. Sie inspizieren die Aufkleber auf unserem Bus und tuscheln miteinander. Dann zieht einer sein Tuch zurück, hebt den Daumen hoch und lacht. „Das will noch lange nichts heißen,“ raunt Andi.

Wir warten eine Weile und werden dann in ein Patio geführt, in dem es durch den Luftzug schön kühl ist. Die fremden Stimmen um uns und die Anwesenheit des Militärs sorgt für ein ungutes Gefühl, obwohl diese freundlich wirken.

Linker Hand stehen wir, die Amtspersonen und Sidi befinden sich vor einer metallenen Tür, auf die im für uns unverständlichen Gespräch immer wieder gezeigt wird. Das Schloss der Tür liegt zu Teilen frei und rechts ist Mauer von der Wand abgebrochen.

Es scheint Probleme zu geben. Immer mehr Männer versammeln sich und versuchen, die Tür zu öffnen. Auch Andreas und Willi, dann Rene und Lukas gesellen sich dazu. Die Zeit vergeht, doch nichts passiert. Was mag da wohl Wichtiges hinter der Tür versteckt sein?

Inge und Nika wird ein Stuhl gebracht und die beiden beobachten das Gewusel aus sicherer Distanz. Bald entfernt sich Rene, um kurz darauf mit Werkzeug und Schmiermittel aus dem Bus zurückzukehren. Doch es hilft alles nichts, die Tür muss aufgebrochen werden.

Endlich können wir eintreten und das Geheimnis lüftet sich: Es heißt Fingerprint und Gesichtscanner, die jeder von uns einzeln passieren muss.

Ohne Pass warten wir im Patio, bis Sidi mit großem Schritt auf uns zukommt. Vorsichtig öffnet er den Pass und zeigt uns das mauretanische Visum. Ein Lachen lässt sich nicht verkneifen, zeigt es doch auch je ein Foto von uns – und das nicht gerade vorteilhaft! Also, doch kein Gesichtsscanner, wie es scheint.

Durch Sidis bravourösen Vorarbeit, erweist sich der Zoll als reine Formalität: Ein Beamter steigt ein, wirft einen obligatorischen Blick in den Bus, schüttelt uns die Hände und steigt wieder aus. Damit ist der Zoll erledigt und wir nehmen die Fahrt nach wieder auf.

Fahrt nach Nouadhibou

Die Wüste verändert sich langsam. Der Sand wird feiner und feiner – im Hintergrund leuchtet das blaue Meer. Und schon erhebt sich Nouadhibou, das ökonomisches Zentrum von Mauretanien vor uns.

Müde von der Hitze und der Anspannung bei der Einreise nach Mauretanien, erreichen wir unser Hotel. Wir kehren erst mal sehr viel Sand aus unserem Bus, bevor wir die Zimmer beziehen. Nach einer erfrischenden Dusche, entspannen wir bei einer gemütlichen Tasse Tee.

 

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Sidi führt uns in ein kleines Restaurant, indem er uns von seinen Vorbereitungen erzählt. 4 Tage habe er auf uns gewartet und viel Zeit gehabt, die Beamten am Zoll zu bestechen. “If you have money and time in Mauretania, you can arrange everything”. Er lacht, versichert aber, dass eine Einreise ohne Hilfe nicht so leicht möglich gewesen wäre. Die vielen Hilfsgüter, die unser Wüstenbus transportiert, wären ohne Sidis Hilfe nicht über die Grenze gekommen. Glauben wir aufs Wort.

Sidi erklärt sich bereit, mit uns bis zur Grenze Senegals mit uns zu kommen. Dort möchte er uns in die Obhut seines Kollegens geben. Für uns sind das gute Neuigkeiten!

 

Gruppe mit Sidi

Darauf stoßen wir bei einem gut getarnten Schlummertrunk im Hotelzimmer noch einmal an: Was für ein Glück Sidi, den Herrn der Wüste, an unserer Seite zu haben!

 

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