(12) Kamele am Horizont – am Weg nach Ad Dhakla

21.4. 2018, Südmarokko

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Am 21.4. versuchen wir, unser eigentliches Ziel Ad Dakhla erneut anzusteuern.

Das Frühstück in der anliegenden Bar vom Hotel erwartet uns bereits. Wir trinken Maschi-Maschi oder Nss Nss (nasal und stimmhaft gesprochen), was beides Milchkaffee bedeutet. Besonders gut schmeckt uns der frisch gepresste Orangensaft aus saftigen, regionalen Früchten.

Allerdings sind nicht alle unserer Crew in bester Verfassung. Bereits vor zwei Tagen haben wir mit der Malaria-Prophylaxe begonnen und Philip scheint diese nicht gut zu vertragen. Er klagt über Gliederschmerzen und Magen-Darm-Verstimmung. Daher hält sich der Ärmste vom Frühstückstisch fern, damit ihm nicht noch mehr übel wird.

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Um 8.45 heißt es: klar machen zur Abfahrt. Als wir unsere Taschen aus den Zimmern in den Bus räumen, knattert ein altes Motorrad daher. Es ist der Mechaniker von gestern, mit dem Rene das Ersatzteil für den Einbau in den Bus zurecht gebogen hat! Er möchte noch einmal schauen, ob die Reparatur auch geklappt hat und ob es uns gut geht. Wie nett ist das denn, denken wir uns und winken zum Abschied.

Mechaniker

Der Bus muss vollgetankt werden, haben wir doch durch den Bruch der Dieselleitung einiges an Treibstoff auf der Straße liegen gelassen. Bis wir eine passende Tankstelle gefunden, aufgetankt und den Weg aus der Stadt gefunden haben, ist wieder eine Stunde vergangen.

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Wir sind alle ein wenig nervös. Was, wenn das Ersatzteil nicht hält und wieder bricht?

Aber, wir können ohnehin nicht mit voller Geschwindigkeit fahren. Denn auf der Straße werden Bauarbeiten durchgeführt. Da leeren zwei Männer heißen Asphalt auf die Straße, dort kreuzen die unterschiedlichsten Maschinen unseren Weg. Wir müssen uns in der Mitte der Straße halten, den ihre Ränder sind steil und zackig – wie abgerissenes Papier.

Langsam aber stetig bahnt sich das Wüstenschiff seinen Weg auf der Transitstraße in der Wüste.

Gegen 13.00 müssen wir erneut tanken. Ein Mann kommt auf uns zu und möchte wissen, wohin wir fahren. Hinter ihm schauen seine Frau und sein erwachsener Sohn über seine Schulter. Juanito – so nennt er sich – erklärt uns in fließendem Spanisch, dass er mit seiner Familie in Spanien lebe. Und um jeden Zweifel an dieser Tatsache zu verhindern, zieht er kurzer Hand seinen Reisepass aus der Tasche. Will er mit uns mitfahren?

In uns steigen die Worte von Amal aus Casablanca auf: „Niemanden mitnehmen, nehmt niemanden mit. Auch wenn vielleicht nichts dahinter steckt, es kann euch Probleme bereiten.“ Doch in dem Moment, als wir dazu höflich Stellung beziehen wollen, setzt Juanito erneut an. Stolz klopft er sich auf seine Brust und wächst ein ganzes Stückchen mehr in die Höhe als er sagt: „Quiero invitaros a mi casa in Ad Dakhla.“ Wir bedanken uns herzlich für die Einladung, müssen aber ablehnen, da wir bereits zu viel Zeit verloren haben.

Die weitere Fahrt zieht sich in die Länge. Das ewige Bild der kargen Sandlandschaft mit ihren spärlichen Sträuchern, die stachelig und spröde sind, ermüdet uns immer mehr.

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Und doch finden sich immer wieder kleine Behausungen zwischen den Steinen, Blumen oder Kamelherden, die rechts von uns am Horizont dahin wandern.

Es ist furchtbar heiß im Bus und wie gerädert sitzt die Mannschaft auf ihren Plätzen. Es ist Zeit für einen kleinen Snack: Käsebrot und Lammsalami reicht für eine kleine Stärkung und wir vertreten uns die Beine.

Gegen Abend hin taucht das Meer plötzlich auch auf der rechten Seite auf. Ist sie das jetzt, die Fatamorgana? Nein. Vor uns liegt die geschützte Bucht von Ad Dakhla und Kite-Surfer tummeln sich hier um die Wette. Wir fahren vorbei an Boardverleih und Golfplatz und wundern uns über die Unterschiede, welche die marokkanischen Städte für uns zu bieten haben.

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Wir beziehen unsere Unterkunft Rio d’Oro, das mit liebevollen Details stark an die spanische Architektur erinnert. Ein gemauertes Sims mit farbigen Azulejos, kleine Mauernischen, Holzschnitzerei.

Wir genießen ein kühles Bier an der Bar auf der Dachterrasse, die uns einen wunderbaren Blick auf das Meer und über die Dächer der Stadt schenkt.

Lukas und Rene erkunden kurz die Umgebung, während die anderen unter der Dusche verschwinden. Die Inhaberin der Herberge bietet uns an unsere Wäsche zu waschen, was wir dankbar annehmen. Als wir alles zusammentragen, sind wir selbst über die Berge an Kleidung erstaunt, die sich da angesammelt haben.

Wir verbringen einen schönen Abend mit leckerem Essen: Fisch schmeckt so nah am Meer halt doch am Besten. Doch schon kommt die Hiobsbotschaft: Abfahrt morgen um 6.00.

Inge zieht sich zurück, um für den nächsten Tag fit zu sein. Die restlichen Crewmitglieder lassen den Abend mit einer Zigarre und Whiskey ausklingen. Auch, weil unser Alkoholvorrat schwinden muss, bevor wir über die Grenze von Mauretanien fahren.

 

 

 

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